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Ibuprofen: Wirkung, Anwendung, Nebenwirkungen

Der Arzneistoff Ibuprofen wirkt entzündungshemmend, schmerzstillend und fiebersenkend. Was Sie bei der Einnahme beachten sollten und welche Nebenwirkungen häufig auftreten
von Apothekerin Dr. Martina Melzer, 11.01.2017

Ibuprofen gibt es zum Beispiel als Tablette (beispielhafte Abbildung)

Getty Images/Robert Brooke

Kurz zusammengefasst: Das Wichtigste zu Ibuprofen

  • Ibuprofen ist ein Schmerz- und Entzündungshemmer

  • Es kann zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln kommen, unter anderem mit weiteren Schmerzmitteln oder Blutdrucksenkern

  • Wer einen empfindlichen Magen hat, sollte Ibuprofen zum Essen einnehmen

  • Eine zu lang dauernde Einnahme kann das Risiko für Herzkreislauf-Erkrankungen erhöhen

Einsatzgebiete: Wofür wird Ibuprofen typischerweise angewendet?

Der Arzneistoff dient der symptomatischen Behandlung von Schmerzen und Entzündungen. Er bekämpft also nicht die Ursache der Beschwerden, sondert lindert diese lediglich. Ibuprofen hilft unter anderem gegen akute und chronische Gelenkentzündungen, Reizzustände bei einer Arthrose und schmerzhafte Schwellungen nach einer Verletzung. Es wirkt aber auch gegen Kopfschmerzen, Zahnschmerzen und Fieber.

Wirkung: Welche Effekte hat Ibuprofen?

Ibuprofen gehört zur Gruppe der nichtsteroidalen Antiphlogistika, kurz NSAID (non-steroidal anti-inflammatory drugs). Der Fachbegriff bedeutet, dass es sich um ein entzündungshemmendes Mittel handelt, es aber kein Steroid ist, also kein Kortison.

Ibuprofen hemmt das Enzym Cyclooxygenase und damit die Bildung von Prostaglandinen. Diese körpereigenen Stoffe spielen bei Schmerz und Entzündung eine wesentliche Rolle. Sie tragen beispielsweise dazu bei, dass ein entzündetes Gelenk schmerzt, anschwillt und sich rötet. Auch Fieber wird über diese Substanzen ausgelöst.

Da Prostaglandine viele weitere Effekte im Körper haben, können Wirkstoffe wie Ibuprofen auch Nebenwirkungen hervorrufen.

Was ist bei der Anwendung zu beachten?

Ibuprofen gibt es in mehreren Darreichungsformen – beispielsweise als Tablette, Saft oder Zäpfchen. Je nach Einsatzgebiet und Alter des Patienten liegt der Arzneistoff zudem in verschiedenen Wirkstärken vor. Wie schnell Ibuprofen wirkt und wie lange der Effekt anhält, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Bei einer normalen Tablette tritt die Wirkung üblicherweise nach etwa einer halben Stunde ein und hält zwischen vier und sechs Stunden an – wobei dies von Mensch zu Mensch schwankt.

Wer Ibuprofen zum Essen einnimmt, verzögert zwar den Wirkeintritt. Dafür ist das Mittel verträglicher, was vor allem für Menschen mit empfindlichem Magen von Vorteil ist. Wichtig: Die Tablette mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen, am besten mit einem Glas Wasser.

Wichtig: Häufige Schmerzzustände sollten vom Arzt abgeklärt werden. Wenn Sie daher an mehr als zehn Tagen im Monat oder an mehr als drei aufeinander folgenden Tagen Schmerzen haben, welche die Einnahme von Ibuprofen nötig machen, sollten Sie zum Arzt gehen.

Welche Nebenwirkungen kann Ibuprofen hervorrufen?

Pharmazeutische Hersteller müssen im Beipackzettel eines Medikaments alle bekannt gewordenen Nebenwirkungen auflisten. Deshalb ist dieser Abschnitt oft sehr lang und wenig vertrauenserweckend. Im Folgenden werden nur "sehr häufige", "häufige" und "gelegentlich" auftretende unerwünschte Wirkungen aufgeführt.

  • Sehr häufig bedeutet: Bei zehn oder mehr als zehn Prozent der Anwender stellen sich Nebenwirkungen ein.
  • Häufig heißt: Bei einem oder mehr als einem Prozent der Menschen, aber bei weniger als zehn Prozent von ihnen, kommt es zu Nebenwirkungen.
  • Mit gelegentlich ist gemeint: Im Schnitt verspüren 0,1 Prozent oder mehr der Behandelten, aber weniger als ein Prozent von ihnen, unerwünschte Begleiterscheinungen.

Je nach Wirkstärke und individueller Verträglichkeit löst Ibuprofen sehr häufig bis häufig Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt aus: Sodbrennen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Durchfall, Verstopfung sowie geringfügige Blutverluste aus Magen und Darm.

Es kann zu Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren kommen, zu einer Magenschleimhautentzündung sowie einer Entzündung der Mundschleimhaut. Ein Morbus Crohn oder eine Colitis ulcerosa, beides chronisch entzündliche Darmkrankheiten, können verstärkt werden.

Ibuprofen kann auch im Bereich des Zentralnervensystems unerwünschte Effekte haben: Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafprobleme, Erregungszustände, Reizbarkeit oder Müdigkeit können auftreten. Besonders Menschen, die ohnehin zu Kopfschmerzen neigen, können auch durch Schmerzmittel wie Ibuprofen Kopfweh bekommen, wenn sie diese übermäßig oft einnehmen.

Des Weiteren reagieren manche Menschen mit Hautausschlag, Juckreiz oder einem Asthma-Anfall auf Ibuprofen. Ebenso können sich Wasseransammlungen (Ödeme) ausbilden oder Nierenprobleme auftreten.

Schadet Ibuprofen dem Herz?

Studien weisen darauf hin, dass Entzündungshemmer wie Ibuprofen mit einem geringfügig erhöhten Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall einhergehen. Dies gilt vor allem, wenn Patienten den Wirkstoff in einer sehr hohen Dosis einnehmen. Insbesondere wer an Herz-Kreislauf-Krankheiten leidet, sollte Ibuprofen nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt anwenden.


Wechselwirkungen: Verträgt sich Ibuprofen mit anderen Medikamenten und Lebensmitteln?

Ibuprofen kann mit diversen Wirkstoffen Wechselwirkungen eingehen. Lassen Sie sich in der Apotheke beraten, ob sich andere Mittel, die Sie einnehmen, mit Ibuprofen vertragen. Fragen Sie bei Ihrem Arzt nach, inwiefern Wechselwirkungen bei Ihren Medikamenten relevant sind.

Das Risiko für Blutungen im Magen-Darm-Bereich sowie für Geschwüre in Magen oder Zwölffingerdarm erhöht sich, wenn Sie Ibuprofen unter anderem mit diesen Arzneien zusammen einnehmen: Kortison-Präparate, weitere nichtsteroidale Entzündungshemmer (s.o. NSAID), Mittel, welche die Blutgerinnung hemmen (z.B. ASS oder Clopidogrel), bestimmte Medikamente gegen Depressionen.

Wenden Sie Ibuprofen gleichzeitig mit Blutdrucksenkern an, kann sich deren Wirkung leicht abschwächen. Experten empfehlen zudem, Ibuprofen nicht zusammen mit ASS, also Acetylsalicylsäure, einzunehmen. Erstens werden Nebenwirkungen wahrscheinlicher, zweitens kann Ibuprofen die blutgerinnungshemmenden Effekte von ASS ungünstig beeinflussen.

Alkohol kann die unerwünschten Wirkungen von Ibuprofen verstärken. Deshalb besser darauf verzichten!

Gegenanzeigen: Wer darf Ibuprofen nicht anwenden?

Ibuprofen dürfen Sie nicht einnehmen, wenn Sie allergisch darauf reagieren, wenn Sie schwere Leber- oder Nierenkrankheiten haben, an einer schweren Herzmuskelschwäche oder ungeklärten Blutbildungsstörung leiden. Außerdem müssen Sie auf den Wirkstoff verzichten, wenn Sie ein Geschwür im Magen-Darm-Trakt haben oder dort wiederholt an Blutungen gelitten haben. Ebenso, wenn Sie Hirnblutungen haben.

Im letzten Drittel der Schwangerschaft dürfen Sie Ibuprofen nicht anwenden. Auch im ersten und zweiten Drittel der Schwangerschaft sollte eine Einnahme nur in Ausnahmefällen und in Absprache mit dem Arzt erfolgen.

Hinweis: Dieser Text enthält nur allgemeine Informationen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Lesen Sie sich unbedingt die Packungsbeilage Ihres Medikaments genau durch und lassen sich von Ihrem Arzt und Apotheker beraten.


Quellen:

Fachinformation zu Ibuprofen
Mutschler, Arzneimittelwirkungen, WVG Stuttgart, 10. Auflage, 2013
Krauß/Müller/Unterreitmeier, Arzneimitteleinnahme, WVG Stuttgart, 3. Auflage, 2014
Gerdemann/Griese-Mammen, Interaktions-Check in der Apotheke, Govi-Verlag, 2. Auflage, 2015
Embryotox.de (Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Berlin), Abruf Dezember 2016
Arzneimittelinformation zu NSAID der Roten Liste, Abruf Dezember 2016
Fachartikel "Herz und Schmerz", Deutsche Apotheker Zeitung, Nr. 48/2016




Bildnachweis: Getty Images/Robert Brooke

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